Kapitel 1
Seit
Stunden
wiederholte
das
Radio,
dass
der
größte
Sturm
seit
Menschengedenken
bevorstünde,
dass
mit
erheblichen
Schäden
zu
rechnen
wäre
und
dass
sämtliche
Rettungskräfte
bereitstünden.
Daniel
hatte
das
Autoradio
angeschaltet,
während
er
die
Delle
ausbeulte,
die
ihm
einer
dieser
ahnungslosen
Touristen
in
den
Kotflügel
gedrückt
hatte, weil er das Prinzip der ‚Passing Places‘ nicht verstanden hatte.
Im
Grunde
war
es
doch
ganz
einfach.
Jeder
verstand
es.
Nur
einige
Fremde
offen-
sichtlich
nicht.
Die
Straßen
in
der
Umgebung
waren
meist
einspurig.
Wenn
ein
Fahr-
zeug
entgegenkam,
dann
wich
man
links
in
einen
‚Passing
Place‘
aus,
um
den
anderen
Fahrer
auf
der
rechten
Straßenseite
durchzulassen.
Wenn
der
Passing
Place
auf
der
rechten
Seite
war,
blieb
man
links
auf
der
Straße
stehen
und
erlaubte
dem
anderen,
den
Passing
Place
rechts
zu
durchfahren.
Denn
der
lag
für
den
anderen
auf
der
linken
Seite.
In
diesem
Land
fuhr
man
links!
Immer!
Obwohl
es
tausend
Witze
darüber
gab,
dass
man
in
den
schottischen
Highlands
am
Besten
in
der
Mitte
der
Straße
fahren
sollte.
Die
besagte
Delle
war
entstanden,
als
er
ganz
richtig
nach
links
ausgewichen
war,
der
andere
aber
dieselbe
Bucht
angesteuert
hatte!
Der
andere
war
schuld
gewesen,
dass
ihre
Kotflügel
aneinandergeraten
waren.
Eindeutig.
Er
hatte
sich
auch
sofort
und
mehr
als
einmal
entschuldigt.
Er
hatte
fast
geweint.
Kein
Wunder:
Ein
Fremder
in
einem
fremden
Land,
wo
eine
fremde
Sprache
gesprochen
und
auf
der
richtigen
Seite,
nämlich
links, gefahren wurde!
Er
hatte
dem
Trottel
hundert
Pfund
abgenommen,
bar
auf
die
Hand.
Keine
Quittung!
Dann
waren
sie
beide
davongefahren
und
er
war
nun
um
hundert
Pfund
reicher!
Denn
die
Delle
auszubeulen,
würde
nur
ein
paar
Minuten
dauern.
Wenn
er
Glück
hatte,
bliebe
sogar
der
Lack
unbeschädigt.
Außerdem
kam
es
wirklich
nicht
darauf
an.
Ein
Kratzer
mehr
oder
weniger
an
seinem
Auto
war
ihm
im
Grunde
egal.
Solange
es
nur
fuhr.
Es
musste ja keinen Schönheitswettbewerb gewinnen.
Aber
warum
war
überhaupt
jemand
mitten
im
Winter
an
der
Westküste
unterwegs?
Schlimm
genug,
dass
die
schmalen
Straßen
den
größten
Teil
des
Jahres
mit
Wohn-
mobilen
und
anderen
Fahrzeugen
verstopft
waren.
Im
Winter
wollten
sie
doch
wenigs-
tens
ihre
Ruhe
haben!
Aber
seitdem
die
Tourismusbehörde
einen
Rundweg
um
den
Norden
Schottlands
herum
ausgerufen
und
ihn
‚Route
North
Coast
500‘
getauft
hatten,
schien
es
so
etwas
wie
einen
Wettbewerb
zu
geben,
die
fünfhundert
Meilen
-
bei
welchem
Wetter
auch
immer
-
so
schnell
wie
möglich
zurückzulegen
oder
es
wenigs-
tens mit einem völlig ungeeigneten Fahrzeug zu tun.
Aber
jetzt
dachte
er
nicht
mehr
über
Touristen
und
den
Blödsinn
nach,
den
die
Tourismusbehörde
veranstaltete,
ohne
sich
darum
zu
kümmern,
ob
die
Infrastruktur
es
auch
aushielte.
Jetzt
musste
er
sich
auf
den
Sturm
vorbereiten.
Er
hörte
die
Nachricht
und
die
Warnungen
nun
schon
den
ganzen
Morgen
und
allmählich
begann
er
zu
fürchten, dass es dieses Mal wirklich ernst werden könnte.
Stürme
ließen
ihn
eigentlich
kalt.
Das,
was
man
anderswo
einen
Sturm
nannte,
war
für
ihn
und
alle,
die
an
der
schottischen
Westküste
lebten,
nur
ein
bisschen
mehr
Wind.
Wind,
der
sie
jeden
Tag
ihres
Lebens
begleitet,
im
Herbst
und
Winter
mehr,
an
warmen
und
sonnigen
Tagen
weniger.
Wind,
der
dazu
führte,
dass
ihre
Häuser
vernünftig
gebaut
werden
mussten:
mit
Fenstern,
die
man
nach
außen
öffnete,
damit
sie
notfalls
in
den
Rahmen
und
nicht
aus
dem
Rahmen
gedrückt
wurden,
und
mit
Dächern
ohne
jeden
Überstand, unter den der Wind gelangen und das Dach abheben konnte.
Aber
es
war
Anfang
Januar
und
aus
dem
üblichen
Wind
schien
diesmal
tatsächlich
ein
Sturm
zu
werden.
Der
Höhepunkt
wurde
gegen
Mitternacht
erwartet,
hatte
der
Wetterbericht
vorausgesagt.
Er
dachte
vor
allem
an
seine
Mutter,
die
seit
einem
Jahr
in
dem
lokalen
Altersheim
lebte.
Es
ging
ihr
dort
gut.
Sie
wurde
besser
versorgt,
als
er
es
je
hätte
tun
können.
Sie
hatte
Freunde
um
sich,
die
sie
ihr
ganzes
Leben
gekannt
hatte
und
die
nun
mit
ihr
alt
wurden.
Und
das
Wichtigste:
Ärzte
und
Pfleger
waren
ganz
schnell zur Hand, wenn sie wieder einmal einen ihrer Anfälle bekam.
Das
Gelände
des
Heims
reichte
bis
zum
Strand
runter,
was
er
besonders
schön
gefunden
hatte,
als
er
das
Heim
das
erste
Mal
besucht
hatte.
Seine
Mutter
bewohnte
ein
gemütliches
großes
Zimmer
mit
eigenem
Bad
im
Erdgeschoß.
Ein
Fenster
ging
auf
die
Bucht
hinaus.
Auf
der
anderen
Seite
konnte
sie
die
Berge
sehen,
die
sich
hinter
dem
kleinen
Ort
erhoben.
In
diesem
Dorf
bekam
sie
auch
alles,
was
sie
alltäglich
brauchte,
und eine dichte Reihe von Bäumen und Sträucher schützten sie vor dem Westwind.
Aber
nun
überlegte
er
doch,
ob
er
seine
Mutter
nicht
besser
nach
Hause
holen
sollte.
Die
Nähe
zum
Meer
erschien
ihm
plötzlich
gefährlich,
ebenso
wie
die
hohen
Bäume,
die
das
Gelände
vor
dem
Wind
schützen
sollten.
Andererseits
würde
er
seiner
Mutter
kaum
helfen
können,
wenn
sie
hier
während
des
Sturms
einen
Anfall
bekäme,
was
leicht
geschehen könnte, wenn sie in Panik geriete.
Er
könnte
natürlich
auch
zu
ihr
fahren.
Sie
würde
sich
wahrscheinlich
freuen
und
er
würde
auch
helfen
können,
sie
zu
beruhigen,
wenn
es
zum
Schlimmsten
kommen
sollte.
Aber
dann
dachte
er,
dass
das
Heim
kaum
glücklich
darüber
wäre,
auch
noch
die
Angehörigen
ihrer
Bewohner
in
einer
solchen
Situation
unterbringen
zu
müssen.
Außerdem
wollte
er
den
Sturm
lieber
in
seinem
eigenen
Haus
überstehen.
Falls
irgendein
Schaden
entstehen
sollte,
wollte
er
zur
Stelle
sein,
um
so
schnell
wie
möglich
zu retten, was noch zu retten war.
Er
würde
alle
paar
Stunden
mit
seiner
Mutter
telefonieren
und
ihr
erklären,
dass
alles
in
Ordnung
wäre
und
sie
sich
keine
Sorgen
machen
müsste.
Und
dann
würde
er
um
das
Haus
herum
aufräumen,
was
er
eigentlich
hätte
schon
lange
tun
sollen,
damit
nicht
herumwirbelndes
Werkzeug
und
andere
schwere
Teile,
die
sich
angesammelt
hatten,
Schaden anrichten konnten.
Auch
würde
er
in
der
Garage
so
viel
Platz
schaffen,
dass
er
das
Auto
diesmal
tatsächlich
darin
unterbringen
konnte.
Er
grinste
und
schüttelte
den
Kopf.
Eigentlich
benutzte
hier
niemand
eine
Garage,
um
ein
Auto
unterzubringen!
Garagen
waren,
wie
Schuppen,
Orte,
wo
man
Dinge
aufbewahren
konnte,
die
man
nicht
im
Haus
haben
wollte.
In
anderen
Gegenden
benutzte
man
dazu
vielleicht
Keller.
Aber
Keller
auszuheben,
war
hier
nicht
möglich.
Zu
viel
Fels
darunter
und
zu
wenig
Erde
zwischen
Haus
und
Fels.
Also
baute
man
den
benötigten
Speicherplatz
neben
dem
Haus
und
nannte ihn ‚Garage‘.
Aber
diesmal
würde
er
es
tun:
Er
würde
sein
Auto
unterstellen
und
hoffen,
dass
das
Dach
es
auch
vor
einem
umstürzenden
Baum
schützen
könnte.
Von
all
seinen
Besitztümern
war
das
Auto
vielleicht
das
Wichtigste.
Ohne
das
wäre
er
total
auf
die
Hilfe
anderer
angewiesen.
Ohne
Auto
kein
Einkauf,
keine
Möglichkeit
zu
arbeiten,
kein
Besuch
beim
Doktor,
keine
Chance,
seine
Mutter
zu
besuchen.
Ohne
Auto
wäre
er
abgeschnitten
vom
Rest
der
Welt
und
dann
nützte
es
ihm
auch
wenig,
dass
er
ein
Haus
und die dazugehörige Croft besaß.
In
dieser
Jahreszeit
wurde
es
ab
vier
Uhr
schon
wieder
dunkel
und
er
verzog
sich
ins
Haus.
Als
zwei
Stunden
später
der
Strom
ausfiel,
war
es
draußen
bereits
finster.
Mit
dem
Strom
fiel
auch
die
Zentralheizung
aus
und
die
Telefonverbindung
war
unterbrochen,
aber
das
Handy
funktionierte
glücklicherweise
noch.
Er
telefonierte
schnell
noch
einmal
mit
seiner
Mutter,
obwohl
die
Verbindung
sehr
brüchig
war.
Aber
er
hoffte, sie würde sich bald schlafen legen und das Schlimmste gar nicht mitbekommen.