1. Roya macht einen Ausflug und findet einen Schatz
Draußen
war
es
schon
hell!
Ihr
Wecker
musste
sie
im
Stich
gelassen
haben!
Roya
sprang
erschrocken
aus
dem
Bett,
noch
ehe
sie
die
Augen
ganz
geöffnet
hatte.
Aber
wo
war
der
Stuhl,
auf
dem
sie
abends
ihre
Sachen
ablegte?
Und
das
Fenster?
Es
war
nicht
da,
wo
es
sein
sollte!
Dafür
öffnete
sich
eine
Tür,
die
es in ihrer Wohnung nicht gab, zu einem Bad, das sie nicht gleich erkannte.
Roya
ließ
sich
auf
das
Bett
zurückfallen
und
atmete
einmal
tief
durch.
Natürlich!
Sie
war
ja
nicht
zu
Hause!
Sie
war
im
‚Urlaub‘.
Nein,
sie
war
noch
nicht
einmal
mehr
im
‚Urlaub‘.
Von
nun
an
würde
ihr
Leben
nur
noch
aus
solchen
Tagen
bestehen,
in
denen
keiner
etwas
von
ihr
wollte!
Und
wo
es
keinen
interessierte,
wann
sie
aufstand
oder
ob
sie
den
ganzen
Tag
im
Bett
bleiben würde.
Man
hatte
ihr
sogar
einen
Orden
verliehen.
Anfang
des
Jahres
hatte
sie
ihn
von
der
Schwester
des
Königs
angesteckt
bekommen.
Im
Museum
hatte
es
eine
großartige
Verabschiedung
für
sie
gegeben,
einschließlich
einer
Festschrift
und
eines
Symposiums.
Ihren
Arbeitsplatz
hatte
sie
da
bereits
geräumt
und
ihrem
Nachfolger
übergeben.
Vorher
hatte
sie
ihn
eine
ganze
Woche
durch
die
Hallen
und
Gänge
geführt,
in
denen
sie
ihr
halbes
Leben
verbracht
hatte,
und
hatte
sich
gefragt,
was
er
wohl
anders
machen
würde
als
sie.
Er
gehörte
auf
jeden
Fall
zu
einer
anderen
Generation.
Sie
erinnerte
sich
an
sein
maßloses
Erstaunen
darüber,
wie
altmodisch
manches
im
Museum
noch
gehandhabt
wurde.
Mit
seinem
Handy
war
er
herumgezogen,
hatte
Aufnahmen
gemacht,
sogar
manchmal
gefilmt
und
ihren
Kommentar
dabei
aufgezeichnet.
Das wäre einfacher, hatte er erklärt, als sich Notizen zu machen.
Natürlich
beherrschte
er
sein
spezielles
Wissensgebiet.
Deshalb
hatte
er
ja
die
Stelle
bekommen,
denn
schließlich
hatte
es
eine
ganze
Menge
Bewerbungen
gegeben.
Mit
Münzen
kannte
er
sich
tatsächlich
aus.
Besser
als
sie.
Aber
was
andere
Themen
betraf,
befürchtete
sie,
dass
sein
Wissen
nur
sehr
oberflächlich
zu
sein
schien.
Gut
genug,
um
ein
Bewerbungsgespräch
zu
überstehen,
aber
wenig
reflektiert,
wenig
dazu
genutzt,
eine
eigene
Haltung
zu
einigen
Fragen
zu
entwickeln,
mit
denen
er
im
Museum
Tag
für
Tag
konfrontiert
sein
würde.
Roya
machte
sich
Sorgen,
aber
schließlich
ging
es
sie
nichts
mehr
an.
Sie
würde
nun
ihren
‚wohlverdienten
Ruhestand‘
genießen
können,
hatte
die
Direktorin
ihr
zum
Abschied
versichert.
‚Die
zweite
Hälfte
ihres
Lebens‘,
hatte
ein
Kollege
versucht,
sie
zu
trösten,
der
ahnte
oder
verstand,
welchen
Teil
ihres
Lebens
sie
im
Museum
hinter
sich
ließ.
Denn
da
war
nichts,
worauf
sie
sich
hätte
freuen
können.
Und
das
mit
der
zweiten
Hälfte
war
sowieso
übertrieben.
Sie
war
jetzt
Mitte
Sechzig
und
wusste
ganz
genau,
dass
das
Beste unwiederbringlich hinter ihr lag.
Sie
hatte
doch
alles
gehabt:
Eine
ganz
spezielle
Position
als
Kuratorin
an
einem
weltberühmten
Museum,
eine
Wohnung
–
im
teuren
London
-,
die
genau
ihren
Bedürfnissen
entsprach.
Sie
bewohnte
den
gesamten
ersten
Stock
eines
georgianischen
Hauses,
das
ihr
wegen
seiner
ausgewogenen
Symmetrie
so
gut
gefallen
hatte,
dass
sie
den
viel
zu
hohen
Preis
über
viele
Jahre
abgezahlt
hatte.
Kollegen
und
Freunde,
die
ihre
Leidenschaften
teilten
oder
zumindest
verstanden,
mit
denen
man
sinnvolle
Gespräche
führen
konnte,
selbst
auf
einer
Party
oder
in
der
Pub
nach
Feierabend.
Dazu
das
kulturelle
Angebot
einer
Weltstadt,
wo
man
sich
niemals
langeweilte.
Auch
wenn
es
immer
mal
wieder
Situationen
gegeben
hatte,
in
denen
sie
es
leise
bedauert hatte, keinen Begleiter an ihrer Seite gehabt zu haben.
Schließlich
wollte
sie
doch
wissen,
wie
spät
es
eigentlich
war.
Im
Norden
wurde
es
so
früh
hell,
dass
sie
sich
daran
nicht
orientieren
konnte.
Sie
sah
auf
die
Uhr.
Es
war
erst
sieben!
Frühstück
gab
es
zwischen
acht
und
zehn,
aber
sie
wusste,
dass
die
Wirtin
hoffte,
dass
ihre
Gäste
schon
vor
zehn
das
Haus
verlassen
würden,
damit
sie
sich
daran
machen
konnte,
die
Zimmer
für
die
kommende Nacht herzurichten.
Sie
hatte
sich
für
dieses
kleine
B&B
entschieden,
weil
sie
gehofft
hatte,
so
der
Anonymität
eines
Hotels
zu
entgehen.
Ihre
Wirtin
war
tatsächlich
liebenswürdig
und
immer
bereit,
ein
wenig
zu
plaudern.
Sie
hatte
ihr
gute
Ratschläge
gegeben
und
ihr
gezeigt,
wo
sie
Prospekte
und
Wanderkarten
finden
könnte.
Auch
hatte
sie
sie
gleich
am
ersten
Tag
zum
Tee
eingeladen
und
selbstgebackenen
Scones
serviert.
Aber
für
die
Frau,
die
ihr
B&B
ganz
allein
betrieb,
kamen
die
notwendigen
täglichen
Pflichten
vor
jedem
Vergnügen,
was
sie
ihr
nicht
übelnehmen
konnte,
denn
sie
hatte
es
während
ihres
Arbeitslebens genauso gehalten.
Zu
dem
B&B
kam
man
auf
einer
schmalen
Straße.
Weiter
hinten
stand
noch
ein
weiteres
Haus,
ein
Ferienhaus,
das
auf
seine
Besitzer
wartete,
und
kurz
danach
endete
die
Straße
in
einem
Kreisel,
auf
dem
man
wenden
konnte.
Dann
kam
nur
noch
Landschaft
und
einen
Fußweg,
der
zunächst
deutlich
sichtbar
war,
sich
später
aber
zwischen
Felsen
und
kleinen
Wasserläufen
verlor.
Roya
wusste
das,
denn
das
war
der
erste
Weg
gewesen,
den
sie
ausprobiert hatte.
Am
ersten
Morgen,
als
sie
gewohnheitsmäßig
noch
sehr
früh
aufgewacht
war,
hatte
sie
auf
der
Wiese
hinter
dem
Haus
im
Morgennebel
Rehe
gesehen.
Oder
Hirsche,
sie
kannte
sich
da
nicht
aus.
Die
Tiere,
unter
ihnen
auch
Kitze,
hatten
in
aller
Ruhe
gegrast
und
waren
erst
geflüchtet,
als
von
Ferne
das
Bellen eines Hundes zu hören war.
Schafe
sah
sie
dafür
überall
und
zu
allen
Zeiten.
Sie
liefen
frei
herum.
Die
Lämmer
dieses
Frühjahrs
waren
wohl
schon
groß
genug,
um
ihren
Müttern
zu
folgen.
Roya
hatte
das
Blöken
erst
seltsam
gefunden,
vor
allem,
wenn
eines
der
Kleinen
plötzlich
laut
und
fordernd
nach
seiner
Mutter
gebrüllt
hatte.
Es
klang
tatsächlich
wie
Kindergeschrei.
Aber
nach
einer
Woche
war
sie
so
daran
gewöhnt, dass es ihr bereits auffiel, wenn man das ‚Mähhh‘ mal nicht hörte.